Unterwegs auf fremden Dächern- 10Jahre Dachdeckerei Krüger

Quelle: LR Online    07. September 2013

Unterwegs auf fremden Dächern

Sebastian Krüger aus Halbendorf schwört auf seinen Beruf

Halbendorf Sebastian Krüger aus Halbendorf ist mit Leib und Seele Dachdecker. Ein anderer als dieser Beruf kam für ihn nie infrage und dabei hätte sein Vater ihn zu gern im Gartenbau gesehen. Doch das wollte der Sohn absolut nicht. Heute ist der 36-Jährige mehr denn je überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Unterwegs auf fremden Dächern
Sebastian Krüger (r.) mit sieben seiner zehn Mitarbeiter. Foto: pr

Warum er sich so sicher war, dass die Dachdeckerei absolut sein Ding ist? „Ich hab als Schüler zwei Praktika gemacht. Eins in einem Autohaus. Da wollte ich herausfinden, ob Autoschlosser für mich etwas wäre. Das andere war beim Dachdecker Bräuniger in Weißwasser. Und das war’s dann“, erinnert sich der 36-Jährige. Und schon fängt der Halbendorfer an zu schwärmen. „Das ist so abwechslungsreich, du bist oben auf den Dächern, siehst immer was anderes, bist immer an der frischen Luft.“

Höhenangst sei noch nie ein Thema für ihn gewesen. „Ich hab doch vorher auch schon jeden Blödsinn gemacht“, gesteht Krüger lachend und winkt ab. Bungee Jumping oder auf dem Surfbrett übers Wasser fliegen zum Beispiel.

Aber es sei längst nicht nur der gute Ausblick von fremden Dächern, der ihm die Freude an dem Beruf beschert. Das wäre viel zu wenig. Es sind die vielen unterschiedlichen Aufgaben, von denen er sich zu gern herausfordern lässt. Wenn es so richtig kompliziert wird, sei es besonders gut. Zum Beispiel ein altes Haus neu einzudecken mit verschiedenen Gauben und Kehlen.

In die Lehre ging Sebastian Krüger nach der Schule dort, wo er sich für diesen Beruf begeistert hatte – bei Bräunigers in Weißwasser. „Anschließend bin ich dann auf Wanderschaft gegangen, sechs Jahre insgesamt.“

Kaum in der Heimat zurück, gründete Sebastian Krüger seine eigene Firma. „Mein erster Mitarbeiter 2003 war Michael Fraulob. Der war mein Geselle bei Bräunigers gewesen.“ Von Jahr zu Jahr stockte der Halbendorfer sein Team auf. „Jetzt im zehnten Jahr sind wir zehn Leute: acht Gesellen, ein Lehrling und ein Meister.“ Der Meister – das ist der Chef, und der hat den Meisterbrief seit acht Jahren in der Tasche. „Eigentlich hätte ich den gar nicht gebraucht. Auf der Wanderschaft hab ich oft als Vorarbeiter und Bauleiter gearbeitet, was die Handwerkskammer anerkannte und mir erlaubte, die Firma ohne Meisterabschluss zu gründen.“ Doch Sebastian Krüger folgte dem Rat seines Vaters und setzte sich noch einmal auf die Schulbank.

Heute kann der 36-Jährige mit Fug und Recht sagen, als Handwerker Fuß gefasst zu haben, seine Arbeit sei hier in der Region gefragt. Krüger sagt es salopp: „Alles super, ich bin sehr zufrieden und den Kunden dankbar, die mir vertrauen.“ Und das nicht nur beruflich. Der Halbendorfer hat längst sein privates großes Glück gefunden mit seiner Manja und Sohn Anthony. Letztes Jahr wurde Hochzeit gefeiert – ganz romantisch auf Hawaii. Und nächstes Jahr kommt Anthony in die Schule.

Es sei ihm sehr wichtig, die Freizeit, die ihm bleibt, vor allem mit der Familie, aber auch mit seinem Freundeskreis zu verbringen. Mal an einem Wochenende, wenn es passt, an die Ostsee fahren, ein bisschen surfen und kiten oder mit den Jungs zum Konzert zu gehen, auch das gehört für ihn dazu.

Doch die Freizeit ist rar, und das nicht nur wegen der Firma. Der 36-Jährige gehört seit 2009 dem Gemeinderat Groß Düben an. „Bis dahin hatte ich mit der Kommunalpolitik überhaupt nichts zu tun, hab zwar immer schon die Vereine im Dorf unterstützt, aber mich ansonsten nur um die Firma gekümmert.“

Eigentlich war er angesprochen worden, weil der Ortschaftsrat verjüngt werden sollte. „Als wir dann zusammensaßen und darüber redeten, musste auch die Kandidatenliste für den Gemeinderat aufgestellt werden. Und holterdiepolter stand ich drauf.“

Sebastian Krüger hängt sich seither mächtig rein, wenn es um seinen Heimatort geht. Immer bemüht um Sachlichkeit, hält er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Dabei kann der 36-Jährige sehr hartnäckig sein. Das zeigten vor allem die Debatten um das Thema Eingemeindung. Da riss ihm manches Mal der Geduldsfaden.

Was ihm derzeit besonders unter den Nägeln brennt, ist der Kita-Anbau in Halbendorf. „Die Kita platzt aus allen Nähten, da muss endlich was passieren. Der Anbau wird dringend gebraucht“, ist Krüger überzeugt. Bisher herrscht, was die Kita-Betreuung in beiden Ortsteilen angeht, Einigkeit im Gemeinderat, wo ansonsten oft gestritten wird. „Wir haben uns in die Augen geguckt und den Ausbau beider Einrichtungen beschlossen. Und ich gehe davon aus, dass diese Einigkeit Bestand hat,“ so Krüger Mitte dieser Woche.

Wenn im kommenden Jahr die neuen Gemeinderäte gewählt werden und Groß Düben noch selbstständige Gemeinde ist, will Sebastian Krüger wieder antreten. „Ein bisschen Gegenwehr aus Halbendorf brauchen die Groß Dübener“, schlussfolgert er aus den ersten Rats-Jahren.

Sollte es mit der Eingemeindung nach Schleife jedoch noch vor den Wahlen klappen, müsse er schauen. Eigentlich sieht er dann eher die gestandenen Halbendorfer Räte in Verantwortung wie zum Beispiel Andy Kowal.

Gabi Nitsche

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