Heimatverein Halbendorf e.V. feiert 20-jähriges Bestehen

Quelle: LR Online 14. Januar 2015

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Einigkeit

Heimatverein Halbendorf blickt auf 20 Jahre zurück / Andy Kowal als Vorsitzender wiedergewählt / Bürgermeister würdigt Vereinsarbeit

Als vor zwanzig Jahren 18 junge Leute den Heimatverein Halbendorf aus der Taufe hoben, wusste niemand, welche erfolg- und ereignisreichen Jahre bevorstehen würden. Während der Festsitzung ließ Vorsitzender Andy Kowal die Geschehnisse Revue passieren und unterstrich vor allem das Zusammenwirken sämtlicher Vereine im Dorf. Darin liege der Schlüssel für den Erfolg.

Unter der Nummer 355 im Vereinsregister des Amtsgerichtes findet sich der vom Finanzamt als gemeinnützlich anerkannte Heimatverein. Damals waren es Doreen Bastian als Schriftführerin, Jutta Kolchmeier als Kassenwart, Simone Urbank als zweite Vorsitzende und Andy Kowal als erster Vorsitzender, die die Verantwortung übernahmen. Andy Kowal erinnerte sich während der Festsitzung am Samstag.

Für ihn und seine Mitstreiter – mittlerweile sind es 35 – war das Jubiläum durchaus ein guter Grund zum Feiern. „Der Heimatverein ist die wichtigste Vereinigung. Er entwickelt und koordiniert fast alle Veranstaltungen und bewahrt die Halbendorfer Identität.“

Das, was man sich damals auf die Fahnen schrieb und in der Vereinssatzung festhielt, gilt auch zwei Jahrzehnte später noch. Es geht um die kulturelle und sportliche Entwicklung im Dorf und darum, sorbisches Brauchtum zu bewahren, den Heimatgedanken auszuleben und sich für ein schönes Dorf einzusetzen.

In einem unterscheide sich der Heimatverein grundsätzlich von anderen: „Wir sind kein Freizeitverein mit einem gemeinsamen Hobby, sondern wir wollen für die Halbendorfer etwas anbieten.“ Das wird fast Monat für Monat getan, und das schon all die Jahre. Diesen Samstag geht’s auf Zampertour. Das Manko Halbendorfs, keinen Saal zu haben, wird beim Fasching mit einem großen Festzelt überwunden, in dem in „kuschliger Atmosphäre“ gefeiert wird, „und das immer mit einem schönen Programm.“ Etliche Jahre beteiligten sich die Halbendorfer auch mit super gestalteten Festwagen an Faschingsumzügen in Bad Muskau. „Mit vielen Aktivitäten stellen wir unsere Gemeinnützigkeit unter Beweis, wie zum Beispiel mit dem Ostermarkt. In diesem Jahr ist es die 20. Auflage, bei der Kultur und sorbische Tradition eine Einheit bilden.“ Laut Andy Kowal engagiere sich hierbei der Heimatverein gemeinsam mit der Ortsgruppe der Domowina.

Ein Ereignis, welches den Halbendorfer überregional bekannt machte und dem kleinen Dorf jährlich tausende Besucher beschere, sei das Neptunfest im Juli. Etliche Stars gaben sich hier schon die Ehre. Von den Sportfreunden Stiller, Silbermond, Kraftklub über Bernhard Brink, Stefanie Hertel und Andy Bork bis zu Roland Kaiser, um nur einige zu nennen. In bester Erinnerung bleiben den Einheimischen wie Besuchern die großen Erntefeste inklusive der Festumzüge, Ringreiten, Erntereigen . . . „Alles Traditionen, die wir bewahren. Leider auch den Schabernack zu Ostern“, fügt Andy Kowal mit einem Schmunzeln hinzu. Viele im Dorf hätten begriffen, wie wichtig sorbische Identität sei.

Zu einem Besuchermagnet entwickelte sich laut Kowal auch das Traktorpulling unter Regie des Vereins für historische Land- und Feuerwehrtechnik Halbendorf. Diesen Verein vor neun Jahren zu gründen, dazu hatte Kowal einigen Enthusiasten geraten. Der Heimatverein gebe Unterstützung, wenn diese gebraucht wird.

das Geschenk der Domowina OG Halbendorf überreicht von Gisela Kotissek

das Geschenk der Domowina OG Halbendorf überreicht von Gisela Kotissek

Als Anlaufpunkt und Ort vieler Indoor-Veranstaltungen entschied man sich im Jahr 2005, die Alte Schule von der Gemeinde zu übernehmen und zu betreiben. Zehn Jahre später schätzt Andy Kowal ein, dass das wohl keine gute Entscheidung war. Mehrfach sei durch die Mitglieder und Helfer renoviert und teilweise möbliert worden. „Das Ergebnis ist, dass wir jährlich zwischen 3000 und 4000 Euro draufzahlen, und als Dorfgemeinschaftshaus ist es in seinem jetzigen Zustand nicht zu gebrauchen.“ Der Umstand, dass die Halbendorfer für die Sanierung kämpften, habe das Verhältnis zur Gemeinde, das anfänglich gut gewesen sei, getrübt. „Ich weiß nicht, wie lange der Verein noch die Kraft hat für die Betreibung. Vielleicht gelingt es ja den neuen Gemeinderäten, das zu ändern“, so Andy Kowal in in der Festsitzung.

Einen besonderen Verdienst seines Vereins sieht der Vorsitzender in der gelebten Heimatverbundenheit mit Wohlfühlcharakter. Für viele Jugendliche aus dem Dorf sei das entscheidend, um hier zu bleiben. Statt in der Ferne einen Job anzunehmen, gründeten auffallend viele eine eigene Firma. „Nur so mancher junger Mitstreiter wohnt inzwischen in Weißwasser, weil in Halbendorf Wohnungen fehlen.“ Das könnte ebenfalls eine Aufgabe für die neuen Gemeinderäte sein, schlug Kowal vor.

Dieser bedankte sich herzlich bei den Mitgliedern und Förderern des Heimatvereines. „Ohne das Zutun der anderen Vereine wie die Traktorfreunde, Feuerwehr, Jugendclub und Domowina-Ortsgruppe könnten wir das alles nicht leisten.“ Andy Kowal sieht den Schlüssel des Erfolgs in der Einigkeit. „Nur gemeinsam sind wir stark.“ Dass ihn die Mitglieder nun schon zwei Jahrzehnte „ertragen“ würden, rührte ihn. Er hält auch weiterhin das Ruder in der Hand, wurde Andy Kowal doch am Sonnabend wiedergewählt. Genauso tragen weiterhin Sebastian Bertko, Henry Bartsch und Sandra Wels im Vereinsvorstand Verantwortung sowie Lars Groth als Kassenprüfer.

20 HV

Er sieht sich zwar als „Küken“ im Vorstand, sei aber total angetan von der Geschichte des Heimatvereins. „Für die Jugend ist es wirklich ein Grund hier zu bleiben, wenn man sich so einbringen und kreativ sein kann. Ich freue mich jedes Mal aufs Neptunfest zum Beispiel. Ich weiß, es kostet viel Zeit, aber es macht riesigen Spaß, es verbindet, und tolle Freundschaften sind entstanden“, wandte sich Sebastian Bertko an die Mitstreiter. „Andy Kowal ist so etwas wie ein Zugpferd, und ich sehe mich als Bindeglied zwischen Jugendclub und Heimatverein.“

Wenn Geburtstag gefeiert wird, lädt man sich gern Gäste ein. Das war Samstag nicht anders. Bürgermeister Helmut Krautz würdigte den Heimatverein und dessen Anstrengungen, ohne die der Veranstaltungskalender recht leer sein würde. Die vielen Feste und Veranstaltungen sprächen eine deutliche Sprache. „Es braucht engagierte Bürger, die bereit sind, einen Großteil ihrer Freizeit zu opfern.“ Und nicht nur das. „Es braucht Leute an der Spitze, die die Richtung vorgeben. Andy Kowal ist so ein Macher“, unterstrich Krautz. Er wisse um das Reizthema Ausbau der Alten Schule zum Dorfgemeinschaftshaus, griff er die Problematik auf, die zuvor Andy Kowal angesprochen hatte. Auch die Gemeinde gebe jährlich bis zu 4000 Euro für Reparaturarbeiten des Gebäudes aus. Jetzt habe erst der Um- und Ausbau der Kita in Halbendorf Priorität. Der Umbau der Schule sei weiter vorgesehen, zu vernünftigen Konditionen. Selbst die Groß Dübener Wählervereinigung habe sich in ihrem Programm dazu bekannt.“Lasst uns in Ruhe und mit Bedacht herangehen, dann werden wir es packen“, bat Bürgermeister Krautz.

Ihre Glückwünsche überbrachten auch die Domowina-Ortsgruppe, der Traktorverein und der Jugendclub, die sich darin   einig waren, sich weiterhin gegenseitig unter die Arme zu greifen zum Wohl von Halbendorf.

Einer, der an diesem Sonnabendabend fehlte und zu den Machern im Heimatverein gehört, ohne große Worte darüber zu verlieren, ist der schwer erkrankte Daniel Jurk. „Ich hoffe und bete dafür, dass er bald wieder bei uns ist“, wünschte Vorsitzender Andy Kowal und sprach damit allen Anwesenden aus dem Herzen.

Gabi Nitsche

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