Halbendorfer laufen durch Sturm und Regen

Quelle: http://www.lr-online.de/regionen/weisswasser/Halbendorfer-laufen-durch-Sturm-und-

Rund 120 Leute sind bei der Winterwanderung um den See dabei / Elf Mutige steigen ins eiskalte Wasser

Halbendorf Es ist eine langjährige Tradition in Halbendorf, sich am zweiten Weihnachtsfeiertag den Speck der Festtage ein bisschen abzuwandern. Der Heimatverein hat sich diese Veranstaltung auf die Fahne geschrieben.

Hochsaison am Halbendorfer See! Diesen Eindruck haben viele Einheimische am zweiten Weihnachtsfeiertag. Rund um die Ameisenschänke am Nordostufer des Tagebaurestloches sammeln sich mehr als 120 Leute. Allerdings nicht nur, um bei Wirt Lutz Paulik Glühwein oder Grog zu trinken, sondern um die 5,6 Kilometer lange Distanz um den Halbendorfer See zu wandern. Dazu hat der örtliche Heimatverein eingeladen.

Das wie vielte Mal die Tour inzwischen standfindet, kann niemand so ganz genau sagen. „Mindestens aber zehn Jahre“, weiß Sebastian Bertko vom Verein. Das Ziel der Veranstaltung: „Einfach mal in der Natur abschalten, die Weihnachtsgans verdauen und mit neuem Hunger nach Hause kommen“, so Bertko augenzwinkernd.

In anderen Jahren hätten die Organisatoren bereits zwischen 150 und 170 Teilnehmer gezählt. Diesmal könnte das Wetter so manchen abgehalten haben. Schließlich sind Sturm und Regen angesagt. Doch am Treffpunkt Ameisenschänke ist weder vom einen noch vom anderen etwas zu merken. Stattdessen hat Kneiper Lutz Paulik mit seinem Team alle Hände voll zu tun. Selbst auf Wildsoljanka und selbstgeschmierte Schmalzstullen brauchen die Wanderer nicht zu verzichten.

Paulik hatte die Gaststätte erst in diesem Jahr übernommen. Inzwischen, so erzählt der Trebendorfer, sei der Biergarten neu entstanden. Darüber hinaus habe er die Gaststätte isolieren lassen und dies und das erneuert. Wann die Ameisenschänke in die Saison 2017 starte, sei derzeit noch offen. Lutz Paulik denkt aber, dass es Ende April/Anfang Mai soweit sein dürfte.

Dann setzt sich der 120-Mann-Tross endlich in Bewegung. Und zwar mit rund 20 Minuten Verspätung. Schließlich lassen sich die Glühweinbecher nicht in einem Zug leeren. Manche wollen nicht solange warten und marschieren los. Die Strecke führt zunächst am Ostufer des Sees entlang. Mit von der Partie ist auch Carmen Kowal. Sie zieht einen Bollerwagen, in dem die zweijährige Enkeltochter Anna gemütlich eingekuschelt sitzt. „Wir sind jedes Jahr bei der Winterwanderung um den See dabei“, erzählt Kowal. Allerdings nicht nur, um zu laufen. „Opa Edwin Neubauer will mit Enkelsohn Max dann noch in die Fluten steigen“, kündigt Carmen Kowal an. Das sei die Generalprobe für den Silvesterurlaub an der Ostsee. Dort solle dann pünktlich am 1. Januar im neuen Jahr „angebadet“ werden.

Die Wanderer erreichen die Straße von Halbendorf nach Trebendorf. Plötzlich beginnt es stark zu stürmen. Vom See her peitscht der Regen auf die Truppe. Die Sicht ist stark eingeschränkt, mancher vermutet auf dem Wasser bereits einen Tsunami. Doch ganz so arg trifft es die Naturfreunde dann doch nicht. Nach wenigen Minuten ist der Spuk wieder vorbei.

Nächstes Ziel bildet der FKK-Badestrand am Halbendorfer See. Elf Mutige wagen tatsächlich den Gang ins Wasser. Jemand hat ein Thermometer dabei und misst am Ufer fünf Grad Celsius. Torsten Peto ist bereits seit Jahrzehnten Eisbader. Nur mit Badehose und einem Handtuch bekleidet, schwatzt er nach der maritimen Erfrischung fröhlich mit den Leuten. Kalt sei ihm nicht. „Im Gegenteil: Ich fühle mich wie neugeboren“, erklärt der Bergmann. Sämtliche Wehwehchen seien wie weggeblasen. „Eisbaden kann ich nur jedem empfehlen“, rät Peto. Allerdings nicht zulange, ansonsten schalten die Muskeln mit gravierenden Folgen ab. Gut, dass die Strandgaststätte gleich die passenden warmen Getränke direkt am Strand parat hält.

Anschließend geht es an der Wasserskianlage entlang zum Ausgangspunkt an der Ameisenschänke zurück. Zwar lassen sich die dicken Regenwolken nicht vertreiben. Doch am Horizont in Richtung Schleife/Lieskau zeigt sich ein heller Streifen.

Jane Schmidt aus Halbendorf ist zufrieden. „Wieder eine richtig schöne Runde“, resümiert sie. Kein Wunder, hat die junge Frau fast 20 Familienmitglieder mitgebracht. Diese seien sogar bis aus Bayern angereist. „Denn unseren schönen Halbendorfer See gibt’s halt kein zweites Mal, selbst in Bayern nicht“, sagt Jane Schmidt schmunzelnd.

Halbendorfer laufen durch Sturm und Regen
Die Eisbader. Sie fühlen sich anschließend wie neugeboren. Foto: amz

amz1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.